Integrative Medizin
Das Beste aus Medizin, Naturwissenschaften und Erfahrungsmedizin
„Das Heilen besteht eben darin, dass man dasjenige,
was im Organismus als ursprüngliche Heilkraft
schon vorhanden ist, durch äußere Mittel unterstützt.“
Rudolf Steiner
Unter Integrativer Medizin versteht man den Brückenschlag zwischen
Schulmedizin und Komplementärmedizin. Der Begriff wurde in den USA
geprägt und beschreibt ein fachübergreifendes
Medizinverständnis, welches den Menschen in seiner individuellen
Komplexität aus Geist, Seele und Körper in den Mittelpunkt
des diagnostischen und therapeutischen Bemühens stellt.
Die Integrative Medizin zeichnet sich aus durch eine unvoreingenommene,
jedoch wissenschaftlich orientierte Einstellung gegenüber allen
ethisch vertretbaren Heilverfahren – ganz gleich, ob es sich
hierbei um Verfahren der Schulmedizin oder um naturheilkundliche
Verfahren handelt. So bietet sich Therapeut und Patient ein breites Spektrum an Behandlungsoptionen.
In der integrativen Therapie legt man großen Wert auf das
individuelle Gespräch, die Arzt-Patienten-Beziehung, den Einsatz
von nebenwirkungsarmen natürlichen Therapiestrategien, die
Stärkung der Eigenverantwortlichkeit des Patienten und die
Schulung zur Selbsthilfe. Ziel ist es, die individuell beste Therapie
für den Patienten zu finden und Nebenwirkungen soweit wie
möglich zu reduzieren: so viel konventionelle Medizin wie nötig - so viel Komplementärmedizin wie möglich.
Besonders wichtig ist, das die integrative Medizin ohne Dogmen, Gurus,
Allmachtsfantasien, oder Machbarkeitsillusionen betrieben wird.
Kritisches Hinterfragen der Theorien, Modelle und des täglichen
Handelns sind wichtig. Naturheilkunde wird sehr oft per se als
unwirksam und unwissenschaftlich abgelehnt. Dabei gibt es mittlerweile
zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten, die sehr wohl eine Wirksamkeit belegen. Die Natur
der komplementären Heilmethoden bringt es mit sich, dass
randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studien oft nicht
durchführbar sind. Es ist also notwendig, andere und verschiedene
Studienmodelle in der Forschung zu nutzen. Jede dieser Methoden hat
ihre Stärken und Schwächen. Durch die Kombination
verschiedener Methoden muss es das Zeil sein, einen hohen Evidenzgrad zu
erreichen. Als Basis sollte einerseits der große Erfahrungschatz
der Naturheilkunde dienen, der sich über Jahrhunderte entwickelt
hat. Anderseits bietet sich als Basis die Grundlagenforschung an. Sie
dient dazu, naturheilkundliche Therapien im Detail erklären
zu können bzw. erklärbar zu machen. Darauf aufbauend können
klinische Studien (hier u.a. randomisierte kontrollierte Studien) und
Beobachtungsstudien (z.B. qualifizierte Anwendungsbeobachtungen), eine
Wirkung auch am richtigen Patienten im Alltag wissenschaftlich dokumentieren.
Klassische Bestandteile der Naturheilkunde, wie z.B. die
Signaturenlehre, d.h. die Erfassung alles Lebendigen in seiner Gestalt,
Form, Farbe, Geruch, in Verbindung mit geistig-seelischen Aspekten -
die Zusammenhänge, die hinter der Morphologie stehen, die Spagyrik
oder das anthroposophische Mensch- und Naturverständnis muten dem
Außenstehenden meist fremd an. Aber diese Sichtweisen bringen
wichtige Aspekte in eine naturheilkundliche Behandlung ein und blicken
aus einer anderen Richtung auf den Menschen, als die konventionelle
Medizin. Auch wenn
solche Betrachtungen nicht überbewertet oder zu Dogmen werden
sollten, eröffnen sie dem Behandler zusätzliche
Möglichkeiten, eine individuelle Therapie umzusetzen.